Kommentar und erste Einschätzung von Peter Hense zu den angekündigten AGB Änderungen durch HRS

Peter Hense auf dem HSMA eDay 2018 in Berlin

(Ende November 2019) HRS hat einige seiner Hotelpartner über bevorstehende Änderungen seiner AGB informiert.

Die Änderungen (hier auszugsweise) betreffen u.a. die Transaktionskosten für Firmenraten, den Abrechnungszyklus der Kommissionsabrechnung und die Wahlpflicht des Distributionsweges (HRS versus GDS). Jedes Hotel trägt die unternehmerische Verantwortung, die neuen Geschäftsbedingungen sorgfältig zu prüfen und ggf. in den Dialog mit HRS zu gehen.

Auf www.hotelpartner.hrs.com hat HRS für seine Hotelpartner Informationen zu den angekündigten Anpassungen zusammengestellt:

Jetzt lesen: 'Nach Transformation zum Technologieanbieter: HRS passt AGB an. Häufig gestellte Fragen von Hotels.

Kommentar von Peter Hense zu den angekündigten Änderungen der HRS AGB

Wir haben Peter Hense, Rechtsanwalt und Partner der Rechtsanwaltskanzlei Spirit Legal LLP dazu befragt. Wir bedanken uns für die investierte Zeit und die Antworten.


HSMA: Peter, wie beurteilst Du die aktuelle Situation?

Peter Hense: HRS nutzt erneut die Gunst der Stunde und versucht im Zeitdruck und Wirbel kurz vor Weihnachten die Hotellerie mit Vertragsänderungen zu überraschen. Ich halte diese Strategie für erfolgreich, denn viele Hotels werden sich den Wünschen des Vermittlungsportals fügen, weil sie sich schon bisher stets deren Wünschen gefügt haben. 

Schließlich heben Medien und Veranstalter nicht nur zu Weihnachten Vermittlungsportale und deren Leistungen in den Himmel und singen aus vollem Herzen das Hohelied der „Freunde und Partner der Hotellerie“, die doch nur das Beste der Hoteliers wollen. 

Was will der einzelne Hotelier da schon ausrichten, etwa gegen den Strom schwimmen und Verträge mit HRS und Co. kündigen oder nachverhandeln? Das wäre dann aber sehr unhöflich und vielleicht auch gefährlich.  

Wer das Risiko dennoch in Kauf nimmt steht dann plötzlich im eisigen Wind des Wettbewerbs und muss sich um seine Gäste und solche die es werden wollen selbst kümmern. 

Das kann, jetzt ganz ohne Ironie gesprochen, tatsächlich nicht jeder. Da muss man selbstständig sein, Verantwortung übernehmen und investieren in Menschen und Technik. 

Aber machen wir uns nichts vor, in Zeiten, in denen Hotelvermittler längst vom Dienstleister zu Geschäftsherrn aufgeschwungen haben, muss man derart mutige Unternehmer mit der Lupe suchen.

Erste Antworten und Einschätzungen von Peter Hense zu Fragen aus dem HSMA Netzwerk zu den angekündigten AGB Änderungen von HRS

HSMA: Sind die Hotels berechtigt, die Änderungen der AGB an Dritte (also Corporates) weiterzugeben?

Peter Hense: Selbstverständlich darf und muss ich gegebenenfalls meine Vertragspartner über diese Art der Veränderung der vertraglichen Bedingungen informieren, mit Datenschutz hat das nichts zu tun, denn es geht hier um Vertragsbedingungen, nicht personenbezogene Daten von Individuen. 

Die Information wäre auch ein guter Anlass, den Vertragspartner über alternative Buchungsmöglichkeiten zu informieren, z.B. die Vorteile eine Direktbuchung im Hotel oder konkurrierende und günstigere Buchungsplattformen. 

HSMA: Inwieweit kann unser BGB Anwendung finden (Bezug auf §313 'Störung der Geschäftsgrundlage')?

Kann HRS nach erfolgter Vertragsverhandlung im Auftrag Dritter und vor Inkrafttreten dieser Verträge die grundlegenden Bedingungen des Vertrages ändern oder besteht hier eine Chance nach §313 BGB, bzw. gibt es ähnlicher Ansätze? 

Peter Hense: Verträge sind Sache der beteiligten Vertragspartner, hier Unternehmen und Hotel. Selbst wenn man annimmt, dass diese Verträge unter der Bedingung stehen, dass ein Drittvertrag mit der Vermittlungsplattform einen bestimmten finanziellen Rahmen gibt, so folgt daraus „bestenfalls“ ein Kündigungsrecht des Firmenkundenvertrags und auch das nur, wenn ein Gericht irgendwann der Meinung ist, dass die Preiserhöhung durch HRS in diesem Verhältnis wirtschaftlich unzumutbar ist. Die Fälle, die man üblicherweise unter die Störung der Geschäftsgrundlage fasst, sind jedoch viel drastischer. Nicht jeder Mindererlös ist gleich unzumutbar, vor allem dann nicht, wenn man vorher hätte besser verhandeln können und müssen.

Im Übrigen: Wäre durch eine Vertragskündigung mit den Firmenkunden wirklich viel gewonnen?

Hier sind wir bei den Hinweisen zum Vertragsmanagement: Wer Verpflichtungen für die Zukunft eingeht, ohne seine Kostenseite vertraglich gesichert zu haben, der geht gegebenenfalls hohe Risiken ein. Das ist nicht neu. Der Handel mit festen Raten erinnert mich an Leerverkäufe an der Börse, bei denen ich es auch nicht in der Hand habe, was die Aktien, deren Verkauf ich verspreche, in Zukunft kosten. Wer Sicherheit will, muss diese vertraglich vereinbaren. Dass HRS seine AGB ändert ist ärgerlich, teuer und vielleicht auch subjektiv enttäuschend. 

Bei aller Kritik an diesem Vorgehen ist es aber grundsätzlich nicht Sache des Distributionspartners, sich um die wirtschaftliche Kalkulation der Hotels Gedanken zu machen. Das müssen Hotels schon selbst tun. Und wer auf Rücksichtnahme von den „Freunden und Partnern der Hotellerie“ baut, tja, dem werden nach den früheren und den aktuellen mit Sicherheit auch künftig noch eine Reihe weiterer Enttäuschungen ins Haus stehen. Wer den Vermittler treffen will, der trifft ihn an der Quelle: Provisionsauslösende Handlungen sind zu minimieren, technologische Nachteile abzubauen und, Klartext, Direktbuchungen zu steigern.

HSMA: Besteht für HRS die Verpflichtung gemeinsame Kunden (Firmen) über die Anpassung/Einführung einer Gebührenpflicht für die Hotels zu informieren?

Gibt es ggf. Unterschiede in einer Informationspflicht abhängig von der Rolle die HRS einnimmt (Hoteleinkauf oder nur Ratenladung). 

Peter Hense: Die Auswahl des Distributionskanals ist allein Sache der Vertragspartner „Hotel“ und „Firmenkunde“, sofern nicht im Einzelfall mit Wissen und unter Beteiligung des Vermittlungsportals vertragliche Absprachen getroffen wurden, die auch das Buchungsportal mit einbeziehen. Änderungen in der Kostenstruktur des vereinbarten Buchungskanals sind dann auch zwischen den Parteien des Beherbergungsvertrages zu klären. Wer diese unvorhergesehenen Kosten tragen muss, kann nicht pauschal beantwortet werden, hier sind neben dem Willen der Vertragsparteien auch die Vertragshistorie und Verhandlungssituation sowie weitere Faktoren zu berücksichtigen. Eine pauschale Aussage ohne Kenntnis des konkreten Vertrages und der diesen begleitenden Absprachen kann seriös nicht getroffen werden.

HSMA: Kann HRS seine Leistung gegenüber den Hotels einschränken, wenngleich es eine Verpflichtung aller Parteien (Firma, Hotel und HRS) zur korrekten Darstellung von Vertragsraten gibt? Inwiefern entstehen hier gegenüber den Firmen Nachteile?

Diese Frage bezieht sich auf diesen Auszug aus den von HRS für die Hotelpartner bereitgestellten Informationen auf www.hotelpartner.hrs.com:

"(..) Bevorzugter Service und Beratung: Hotelpartner, die die HRS Anbindung für ihre Nettoraten nutzen, erhalten von HRS einen besseren telefonischen Service, um mögliche Diskrepanzen schnell und unkompliziert zu lösen.(...)"

Peter Hense: Das Hotelvermittlungsportal muss zunächst seine vertraglichen Leistungen erbringen und zwar exakt so, wie sie verhandelt und vereinbart wurden. Jede negative Abweichung vom vereinbarten Pflichtenprogramm führt in dem konkreten Markt zu Mängelrechten des Vertragspartners, z.B. einer Schadensersatzpflicht des Leistungsverpflichteten. 

Niemand kann jedoch verhindern, dass ein Buchungsportal für ein neues und teureres Produkt einen besseren Service einführt, auch wenn das die alten Abreden als weniger attraktiv erscheinen lässt. Es gibt keinen Anspruch auf ewig konkurrenzlose Attraktivität von Vertragsbedingungen.

HSMA: Der von HRS angebrachte Vergleich der Gebühren HRS/GDS wirkt nicht stimmig.

Der Vergleich der Gebühren HRS/GDS scheint nicht stimmig, handelt es sich bei HRS ja um eine Transaktionsgebühr pro Übernachtung und nicht wie bei den GDS Systemen, pro Buchung. Darf HRS diese Aussage zu den Kosten treffen (ist dies nicht manipulierend/irreführend), wenn sie doch gar nicht wissen, wie die einzelnen Konditionen für GDS Buchungen der Hotels aussehen? Sie haben hier eine Art 'worst case' - Wert angegeben.

Peter Hense: Dass HRS sein neues Vertragsmodell mit aufgehübschten Aussagen garniert, sollte jetzt niemanden überraschen. Das war doch auch in der Vergangenheit bereits so. Erinnern wir uns an den Dezember 2016, als HRS "Sicherheitsaccounts" von den Hotels anlegen ließ und sich so mit eleganten Worten seiner Haftungsrisiken entledigte. Protest aus der Hotellerie? Fehlanzeige.

Ich halte die Aussage von HRS, wie sie hier wiedergegeben wurde, nicht für eine angreifbare wettbewerbsrechtliche Irreführung, sondern für eine zulässige werbliche Übertreibung. Jeder, der sich mit der Hoteldistribution auskennt, weiß doch, dass der Vergleich zum GDS hinkt und man hier werblich Äpfel mit Birnen vergleicht. Ob der fehlende Widerspruch gegen die neuen Vertragsbedingungen allerdings zwangsläufig in eine Vertragsverlängerung zu den neuen Konditionen führt, daran kann man angesichts der grundsätzlich umgestalteten Inhalte des ursprünglichen Distributionsvertrages mit Recht zweifeln. Im Klartext: Mit den neuen AGB von HRS wird aus einem X ein U und wer nicht widerspricht, dem sollen die Änderungen einseitig untergeschoben werden. Ganz so einfach funktioniert das allerdings nicht, denn die zivilrechtliche Inhaltskontrolle von Vertragsklauseln auf Äquivalenz, also Ausgewogenheit von Leistung und Gegenleistung, die vor gewissen wirtschaftlichen Asymmetrien schützen soll, könnte diesem Ansinnen entgegenstehen. Die Entscheidung der Hoteliers macht das nur nicht leichter, denn die Aussage ist ja dennoch klar: Wer sich nicht fügt, wird abgeschaltet. Die Überprüfung, ob dieser Weg des "take it or leave it" kartellrechtlich zulässig ist, steht jedem Hotelier offen.

HSMA: Bei GDS Buchungen wird eine Transaktionsgebühr pro Buchung erhoben, ist es haltbar das HRS die Gebühr pro Nacht veranschlagt?

Peter Hense: Es besteht in Deutschland Vertragsfreiheit. HRS kann im Rahmen des geltenden Vertragsrechts sein Gebührenmodell frei verändern, solange man Vertragspartner findet, die dieses Spiel mitspielen. In einem funktionierenden Markt bestimmen Angebot und Nachfrage den optimalen Preis. Wer der Meinung ist, dass der Markt nicht funktioniert, dem steht der Rechtsweg offen, um auf diese Weise eine Korrektur gegebenenfalls missbräuchlichen Verhaltens zu erreichen. Lautes Wehklagen innerhalb der eigenen vier Wände über höhere Preise und andere Ungerechtigkeiten führt in der Regel nicht zu einer Veränderung der Wirtschaftsrealität.

Es ist ja nicht so, dass Hotels keine Hebel hätten, um Buchungsportalen nicht auch an anderer Stelle zu rechtskonformem Verhalten zu zwingen. Rechtliche Auseinandersetzung enden nicht selten mit einem Quid pro quo, indem beide Seiten Zugeständnisse machen müssen. Aber auch hier gilt: Ohne Aktion keine Reaktion.

HSMA: Darf HRS Transaktionskosten berechnen, obwohl im Vertrag zwischen Hotel und Firmenkunde ausdrücklich festgehalten ist, dass keine Kommissionen durch HRS anfallen?

Peter Hense: Vertragsrecht ist relativ, man muss sein Vertrauen dort suchen, wo man es gelassen hat. Das ist in erster Linie der Vertragspartner. Wenn der Vertrag mit dem Firmenkunden die Nutzung des HRS-Zugangs beinhaltet und dafür ein fester Preis vereinbart ist, dann kann das Hotel auf diesem Festpreis bestehen, sowohl gegenüber dem Firmenkunden als auch gegenüber HRS, sofern sie auf diese Weise Firmen zur Absatzunterstützung einsetzen. Wie gesagt, vorausgesetzt das ist vertraglich entsprechend angedeutet. Sollte die Verpflichtung zur Zahlung gegenüber HRS jedoch rechtswirksam sein, so könnte eine Umlage auf den Vertragspartner (Firmenkunden) im Wege ergänzender Vertragsauslegung erfolgen oder aber der Vertrag gegebenenfalls wegen Störung der Geschäftsgrundlage gekündigt werden (dazu unten im Detail). Jeder dieser Wege ist konfrontativ, mühsam und zeitaufwändig. Hoteliers ist zu raten, sich umgehend mit ihren Firmenkunden zu besprechen und einvernehmliche Lösungen zu finden, wobei der Hotelier an dieser Stelle je nach Vertrag nicht notwendig am kürzeren Hebel sitzt.

HSMA: Gibt es Empfehlungen, wie Hoteliers mit den durch die Transaktionsgebühren verursachten Mehrkosten umgehen können? Gibt es dazu eine rechtliche Grundlage?

Peter Hense: Pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten. Das ist eine alte und klangvolle juristische Rechtregel, die aber im Ernstfall leider zu schlicht ist, um weiterzuhelfen. Ändern sich äußere Umstände ist oft unklar, ob und wenn ja welche vertraglichen Regelungen gelten sollen. Hier hilft nur eine individuelle Prüfung und Vorsorge für die Zukunft, es gibt ja mehr als nur einen Distributions- und Technologiepartner für Hotels. Mein Tipp: Verträge lassen sich vor der Unterschrift in aller Regel leichter verhandeln. Wer aus Kostengründen oder Angst vor der wirtschaftlichen Übermacht des Vertragspartners alles unterschreibt, was im Format DIN A4 daherkommt, dessen ständige Begleiter werden Kosten und Angst auch in Zukunft bleiben. Vorsorge heißt eben auch, Vertriebsverträge auf Risiken und Nebenwirkungen zu prüfen. Die Verteilung unvorhergesehener Kosten ist ein Punkt, der jedem guten Rechtberater in diesem Zusammenhang ins Auge fällt und für den man üblicherweise ausgewogene Lösungen finden kann. Ist das Kind allerdings in den Brunnen gefallen, also die Änderung der äußeren Umstände eingetreten, bleibt es hier in erster Linie dem kaufmännischen Geschick des Hoteliers überlassen, allein oder gemeinsam mit anderen Lösungen zu erstreiten.

HSMA: Inwieweit ist HRS dazu berechtigt, dies Transaktionsgebühren aufzurufen, wenn HRS bei einem Kunden als einziger Buchungsweg gilt? Kann HRS hier ein Ausnutzen einer Machtstellung unterstellt werden?

Peter Hense: Die Prüfung, ob hier ein Ausnutzen einer marktbeherrschenden Stellung durch ein Buchungsportal vorliegt, kann niemand mal eben mit zwei Zeilen beantworten. Gerade bei Bundes- oder Landesbehörden stellt sich allerdings die Frage, ob in jedem Fall eine ordnungsgemäße Vergabe dieser Leistungen an das Buchungsportal erfolgt ist und ob hier nicht eine Bindung an wesentliche Vertragselemente gegenüber dem Unternehmen oder der Behörde vereinbart war, die dann auch zugunsten der in diesem Dreiecksverhältnis mit betroffenen Hoteliers gelten können. Auch stellen sich bei Behörden öffentlich-rechtliche Fragen zur Gleichbehandlung, ja selbst der Haushaltsgrundsatz der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit der Verwaltung könnte betroffen sein, wenn nach geschlossenem Vertrag ein Buchungsportal seine Preise einseitig erhöht. Aber auch hier ist zunächst zu klären, zu wessen Lasten die Gebühren eigentlich gehen.

Eine detaillierte Prüfung können, dürfen und sollten betroffene Hoteliers über ihre qualifizierten Rechtsberater wahrnehmen lassen. 

Es steht übrigens jedem Hotelier frei, über seine Interessenvertretungen gebündelt oder auch individuell eine Beschwerde beim Bundeskartellamt einzureichen, sollte man ein Marktverhalten für missbräuchlich halten. Auch der Rechtsweg für individuelle Verfahren gegen Buchungsportale wegen Verstößen gegen wettbewerbs- und kartellrechtliche Vorschriften steht jedem einzelnen Hotelier offen. Gerade das Instrument der einstweiligen Verfügung bietet hier durchaus den gewünschten eiligen Rechtsschutz. 

Die Erfahrung lehrt uns jedoch, dass das Recht für die Wachen geschrieben ist, nicht für die, die ruhen. Zumindest die Hotelvermittlungsportale haben diesen alten Rechtssatz verinnerlicht und treiben mit ihrem Verhalten eine ganze Branche vor sich her. Und die lässt sich die ständig strafferen Daumenschrauben im Wesentlichen widerstandslos gefallen.

HSMA: Welche Folgen resultieren aus den Forderungen aus Ziffer 8?

Hier vor allem in Hinblick auf den Download von Bildern der Hotelwebseite mit gleichzeitiger Freisprechung von Ansprüchen Dritter und der generellen Freigabe der Nutzung von Namen und Marken? 

Peter Hense: Dieser Paragraf 8 der neuen HRS-AGB ist gewissermaßen die Büchse der Pandora. Was hieraus erwächst, bringt nichts als Ärger mit sich. 

Der Reihe nach und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  1. Enteignung von Namen & Marken

    Diese Formulierung im letzten Satz des Paragrafen zu „Marken“ ist ein alter Hut, sie findet sich so bereits in früheren AGB von HRS. Für sich genommen erfüllt sie nicht die Bedingungen, die das Gesetz an einer Lizenzierungsabrede oder Gestattung zur Nutzung von Geistigem Eigentum stellt und ist daher bestenfalls als Absichtserklärung auszulegen, die durch weitere Vereinbarungen umgesetzt werden müsste. Im Detail: Die Klausel selbst beschreibt lediglich, dass die vom Hotel eingestellten Informationen zu „Vertriebs- und Marketingzwecken“ genutzt werden. In welchen Kanälen, in welchem Umfang und über welche Zeiträume und insbesondere für welche Zwecke, dies lässt die Klausel vollständig offen. Unter Berücksichtigung der Grundsätze der Rechtsgeschäftslehre in Verbindung mit den auch im Markenrecht anwendbaren Übertragungszweckgedankens genügt die Klausel in keiner Weise den Anforderungen, die an eine vertragliche, auch nicht individualvertragliche Klausel zu stellen sind. Die Klausel ist zudem unwirksam, da sie „überraschend“ ist und bereits aus diesem Grunde nicht Vertragsbestandteil wird. Niemand erwartet unter der von HRS gewählten Überschrift „Hotelinfos“ eine Lizenzierungsabrede für wertvolle Namen und Marken eines Hotelunternehmens, die Hotels sonst nur gegen viel Geld an Dritte lizenzieren.

  2. Selbstbedienung an Bildern

    Gleichfalls überraschend und damit unwirksam ist die Passage, in der sich HRS selbst das Recht einräumt, Bilder von der Hotelwebsite zu laden und dadurch eine Art „content parity“ durch die Hintertür zu schaffen. Hotels haben selbst nicht immer volle Nutzungsrechte an den von ihnen genutzten Bildern und unterliegen oft Auflagen bei der Bildverwendung durch die Urheberkennzeichnung des Fotografen. Dieses Selbstbedienungsrecht von HRS ist nicht nur frech, sondern auch deutlich rechtswidrig, weil überraschend, abweichend von gesetzlichen Vorschriften sowie einseitig benachteiligend. Hotels sollten als Vorsichtsmaßnahme ihre Bilder mit gut sichtbaren Wasserzeichen plus Copyrightvermerk unter Angabe der eigenen Website versehen, so dass HRS diese bei einem „Bilderklau“ auch mit darstellen muss. Die Nutzung des Bildes ohne Urhebervermerk ist strafbar, § 106 UrhG

  3. „Hausrecht und Bildherrschaft“

    Noch weiter geht das unzulässig untergeschobene Recht von HRS, eigene Bilder im Hotel aufzunehmen. Bedenken Sie die Auswirkungen, wenn HRS-Hobbyfotografen anfangen, durch Ihr Hotel zu stromern und Bilder ihres Hauses und Ihrer Gäste zu schießen, unter dem Verweis auf diese Klausel. Hier geht es nicht um Content-Parity, sondern um ein Eindringen in den Kernbereich unternehmerischen Handelns, in das Sanctum Sanctorum eines Hotels und um eine Entmündigung der Hoteliers. Bilder von einer Inneneinrichtung können übrigens durchaus selbst Beschränkungen unterliegen, wenn z.B. das Interior Design oder Kunstwerke (Bilder, Skulpturen) urheberrechtlich geschützt sind. Dann darf eben nicht jedermann Bilder dieser Werke kommerziell verbreiten. Da die Bilder im Profil des Hotels auf HRS erscheinen sollen, wäre bei einer Abmahnung des Rechteinhabers auch immer das Hotel mit in der Haftung. Neben einer Ablehnung der AGB in diesem Punkt empfiehlt es sich, Gäste und Besucher des Hauses darauf hinzuweisen, dass ein Fotografieverbot im Haus besteht und dass HRS-Fotografen keinen Zutritt zum Hotel haben. Wer den institutionalisierten Hausfriedensbruch in solchen Vertragsbedingungen versteckt, handelt übrigens unlauter. Auch diese Klausel ist nach unserer Auffassung eindeutig überraschend, einseitig benachteiligend und daher unwirksam.

HSMA: Kann HRS sich von der Verpflichtung (Haftungsausschluss) zur Aufrechterhaltung seiner Systeme freistellen lassen (vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das kostenpflichtig wird)?

Peter Hense: Die von HRS formulierte Haftungsbegrenzung in Paragraf 6.e entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben und entfaltet daher in Ernstfall eher nicht die gewünschte haftungsbegrenzende Wirkung.

HSMA: Kann HRS sich pauschal von den Verpflichtungen nach §651 BGB freistellen lassen?

Im (eher unwahrscheinlichen) Falle, dass das Hotel ein Angebot über HRS vertreibt, müssten doch auch für HRS gesetzliche Verpflichtungen gelten, oder?

Peter Hense: Die von HRS formulierte Haftungsbegrenzung widerspricht § 651y BGB und ist damit m.E. unzulässig und unwirksam.


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04.12.2019

Liebe Lea,
liebes HSMA Team,

erst mal vielen Dank, dass die HSMA sich diesem Thema so schnell angenommen hat!

Die Kommentare von Peter Hense finde ich allerdings gegenüber der Hotellerie fehl am Platz. Zum einen wird verschwiegen, dass HRS m.E. in dieser Art und Weise schamlos vorgeht, da die Hotellerie in der Vergangenheit über Verbände sehr wohl gegen HRS geschossen hat. Seinerzeit wurden an dem einzigen "echten" Verantwortlichen, der sich u.a. auf HSMA Veranstaltungen gestellt hat und greifbar war (Tobias Ragge) ein Exempel statuiert - und das nicht nur ein Mal. Erst im letzten Jahr fand die Sammelklage der IHA statt. HRS wurde stellvertretend angegriffen, andere Player nicht. Ich finde das Vorgehen von HRS keinesfalls in Ordnung, sogar charakterlos, es wundert mich aber nicht. Zum anderen bezieht Herr Hense bei seinen Ratschlägen an die Hotellerie mit keinem Wort ein, dass die großen und mittleren Ketten wohl schon seit Monaten dieses Modell akzeptiert haben und damit arbeiten. Die Individualhotellerie soll sich nun also zu einem Widerstand erheben und innerhalb 4 Wochen das Corporate Geschäft mit Großkunden neu organisieren? Die großen Player der Corporates, die ja von der Kostenverlagerung auf die Hotels am meisten profitieren, werden sicherlich jubelnd auf andere Buchungswege umsteigen.

M.E. also auf jeden Fall der richtige erste Schritt um die Diskussion anzuregen. Bei Herrn Hense fehlen mir klare praxisorientierte und umsetzbar Ratschläge. Die HSMA würde ich bitten ihre Kontakte zu nutzen und die gesamte Hotellerie mit einzubeziehen

Beste Grüße

Frank Blattl, Geschäftsführer der Lucroso GmbH