< Die HSMA unterstützt die „Initiative Digitales Hotel“
03. Juni 2020

von Georg Ziegler, Präsident der HSMA

#HSMA_Spotlight: Zeiten für Ehrlichkeit und Mut


Vermutlich erheben einige Branchen derzeit den Anspruch von Corona besonders betroffen zu sein. Aus meiner persönlichen Sicht hat es die Reise- und Eventbranche im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Covid19 Pandemie mit am härtesten getroffen.

Nicht nur, dass nun knapp 2 Monate von teils geschlossenen oder substanziell reduzierten Betrieben bei laufenden Fixkosten hinter uns liegen, die meisten werden auch umfangreiche Umsätze, die vorab akquiriert und eingeplant wurden abschreiben müssen und haben nur sehr vage Vorstellungen, wie sich die kommenden 12-24 Monate geschäftlich entwickeln werden.

Diese Krise hat auch sehr deutlich gezeigt, wo die Flanken im Unternehmen offen liegen bzw., in welchen Abhängigkeiten und Beziehungen der eigene Geschäftsbetrieb steht oder stand.

Aus meiner Sicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, im Vertrieb und Marketing ein paar Entwicklungen geradezurücken.

Als erstes ist es die Ehrlichkeit zum eigenen Produkt - und den Aufwänden und Leistungen, die in dessen Herstellung liegen. Das Preis-Leistungsverhältnis für Übernachtungen ist in Deutschland, verglichen sowohl mit den Nachbarländern als erst recht gegenüber internationalen Märkten, bis vor kurzem auf einem geradezu abstrakt hohen Niveau gewesen.

Betrachtet man die Ausbildungsqualität, das Schulungsniveau, die Lohnkosten und die hohen Qualitätsstandards hierzulande, wurden aus meiner Sicht viele Angebote deutlich unter Wert vermarktet. Seit Corona sind nun deutlich höhere Aufwände nötig, um gemäß der neuen Hygienestandards und -konzepte die Gäste mit einem tadellosen und sicheren Produkt empfangen zu können und auch beherbergen zu dürfen. Die Ehrlichkeit, gegenüber Gästen und Geschäftspartnern transparent zu machen, welche Aufwände und auch Leistungen hinter dem Produkt stehen, sind aus meiner Sicht eine erste große Chance, die Qualität unserer Produkte transparenter zu machen - ob familiärer Hotelbetrieb auf dem Land, hippes Stadthotel oder Businesshotel in Flughafennähe.

Als zweites wünsche ich mir für unsere Branche Mut, die eigene bisherige Unternehmensführung diesem großen Stresstest zu unterziehen:

Viele Betriebe werden damit konfrontiert worden sein, wie direkt oder auch nicht sie in der Beziehung zu ihren Gästen und Geschäftspartnern stehen. Sich jetzt mit der Ordnung der Zielgruppen, Angebote und Vertriebskanäle zu befassen und die bisherigen Partnerschaften zu prüfen halte ich für einen wichtigen und richtigen Blick nach vorne, um auch aus diesen schwierigen Zeiten für das eigene Unternehmen die richtigen Erkenntnisse zu ziehen und damit den eigenen Betrieb wetterfester aufzustellen.

Es braucht viel Mut, um in der Vermarktung und Verhandlung mit dem Geschäftspartner nicht der Versuchung zu widerstehen, die eigene Kalkulation zu unterbieten. Die Belohnung dafür ist ein gesunder Betrieb und Freiräume, weiter in das Unternehmen investieren zu können oder besser gerüstet zu sein für die ungewisse Zukunft.

Diese Gedanken wollte ich mit Euch teilen und diesem Sinne wünsche ich uns allen weiterhin gutes Gelingen in diesen schwierigen Zeiten. In dem Spruch “Eine ruhige See hat noch keinen guten Seemann hervorgebracht” können wir nun alle unseren eigenen Teil finden.