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27. April 2020

Wrap Up des 3. HSMA Online Barcamps powered by HTF


Am vergangenen Donnerstag trafen sich erneut viele Hoteliers sowie Dienstleister der Hotellerie online, um in gewohnter Barcamp-Manier Themen zu besprechen, die die Branche beschäftigen.

 

Aufgrund der Brisanz der aktuellen Zeit brechen wir hiermit eine Regel und informieren euch über die Inhalte, die hier besprochen wurden.

Denn frei nach dem Motto „Wissen muss geteilt werden, denn nur gemeinsam sind wir stark in der Krise“ möchten wir auch denjenigen, die nicht dabei sein konnten, zugänglich machen, was die Teilnehmer sagten und was sie bewegt.

 

Wie auch schon in den letzten Camps gab es erneut 4 Sessions, zwei jeweils parallel in unterschiedlichen Räumen.

 

Die Themen, die am Anfang des Camps mehrheitlich abgestimmt wurden, waren:

„Revenue Management und Marketingmaßnahmen für den Tag X“, „(Hygiene-)Standards für die Wiedereröffnung“, „Wie viel Liquiditätsprobleme sind selbst verschuldet?“ und „das MICE Business nach der Krise“.

 

Im Folgenden fassen wir euch pro Thema die Kernaussagen / -Fragen der Teilnehmer zusammen:

 

Revenue Management und Marketingmaßnahmen für den Tag X nach Corona

 

Wie lassen sich Revenue Management Systeme aktuell und zukünftig nutzen?

§  der Wegfall bzw. die nicht mehr 100%ige Belastbarkeit der historischen Daten innerhalb des RMS birgt gewisse Herausforderung für die nahe Zukunft

§  ein aktuell vermehrt auftretender Fehler ist die zu niedrige Einschätzung des zu verkaufenden Preises durch das System. Das RMS kann die Nachfrage, die ggf. wiederauftauchen wird, wenn Reisebeschränkungen gelockert werden, nicht prognostizieren und schlägt daher eventuell „falsche“ Preise vor

§  Frage: werden die Systeme im Falle einer erneuten Krise auf die Erfahrungen dieser Zeit zurückgreifen können und diese deutlich nüchterner bewerten können als die Menschen, die von ihr betroffen sind / waren?

§  ein wichtiger Aspekt: Aktuell gibt es niemanden, der die Situation versteht, weder Systeme noch Menschen.

 

Preisstabilität / -Strategie

§  die Sessionteilnehmer sind sich einig, dass Preissenkungen nicht der Schlüssel zum Erfolg sind

§  eine stabile und zum Produkt passende Preisstrategie ist wichtig, um den gesamten Markt stabil zu halten

§  Frage zum Festlegen der Strategie: Wer bin ich, wofür steht meine Marke und wer ist mein Kunde?

 

Maßnahmen für den Wiedereinstieg

§  Longstay Angebote für Business Reisen

§  kleinere Gutscheinaktionen mit kleinen Preisvorteilen für zB Stammgäste bzw. Wiederkehrer, statt Rabatt-Schlachten

 

Einschätzung des Marktes

§  eine aktuelle Prognose der Marktentwicklung und des Reiseverhalten ist nahezu unmöglich, da niemand auch nur erahnen kann, wann es wieder los geht und unter welchen Voraussetzungen

 

Aktuell sinnvolle Marketingmaßnahmen

§  Social-Media-Kanäle haben eine erhöhte Brisanz bekommen. Über diese Wege kann der Hotelier einfach und schnell den Kontakt zu den Gästen halten, ausbauen und darüber informieren, was aktuell passiert und auch ein paar Loyalität-stärkende Insights teilen

§  die größte Herausforderung im Bereich Marketing ist das Liquiditätsproblem, welches aktuell jedes Hotel gepaart mit einem erhöhten Investitionsdrang hat.

§  Investitionen erfolgsorientiert beurteilen: z.B. ist es vermutlich nicht erfolgreich, gewisse Marketing-Kampagnen zu starten, ohne dass die entsprechende konkrete Nachfrage existiert

§  „pay per click“ Modelle sind kaum riskant, da in der Regel nur geklickt wird (und dadurch Kosten entstehen), wenn auch ein Interesse des Reisenden besteht

 

(Hygiene)Standards für die Wiedereröffnung

 

Aktuelle Situation

§  aktuell arbeiten diverse Institutionen an der Erarbeitung von Hygienestandards, die als Grundlage für die Entscheidung für eine Wiedereröffnung dienen sollen. Dies sind Hotelgruppen / -Ketten, Verbände, politische Institutionen und auch Expertengremien unterschiedlicher Herkunft (Beratung, Hotel, Krankenhäuser, etc.)

§  es ist wichtig, dass die Ideen gesammelt, bewertet und entsprechend aufbereitet werden, um der darüber entschiedenen Institution eine Basis zu bieten, die sowohl Sicherheit als auch Vertrauen schafft und gleichzeitig für die Branche umsetzbar ist

Austausch über mögliche Hygienemaßnahmen

§  es wurde über das Desinfizieren von Fahrstuhlknöpfen, das häufigere Austauschen und Nutzen farblich unterschiedlicher Lappen, das Abschaffen gemeinsam genutzter Gegenstände (z.B. Workstations, Gästezeitungen) philosophiert

 

Vertrauen schaffen

§  das Vertrauen der Gäste und Mitarbeiter ist ein sehr wichtiger Bestandteil

§  Schulung der Mitarbeiter und deutliche Dokumentation, um im Falle einer Ansteckung entsprechende passierte Abläufe darlegen zu können

§  Hygiene muss sichtbar gemacht werden

Nachhaltigkeit bei der Reinigung

§  Klarstellung in wie weit die „Chemiekeule“ nötig ist und was dennoch durch „sanftere“ Mittel abgedeckt werden kann.

 

Mögliche Standards in Bezug auf die Belegung

§  eventuelle Beschränkung der Belegung auf z.B. 50%

§  Frage: Was, wenn das Haus bereits jetzt höher belegt ist?

Die Buchung welchen Gastes wird als erstes durch das Hotel storniert? Hotels könnten sich hier nach den Stornierungsbedingungen des Gastes richten, oder nach dem Prinzip „wer als erstes gebucht hat, der darf bleiben“, allerdings sind das beides im aus Sicht des klassischen Revenue Managements die Buchungen, die das meiste Geld einbringen, da höhere Raten verkauft wurden.

 

Wie viel Liquiditätsprobleme sind selbst verschuldet?

 

Richtiges Wirtschaften in Frage gestellt

§  Frage: hat ein Hotelier nachhaltig gewirtschaftet, wenn er mit seinen verfügbaren Mitteln nicht einmal 1-2 Monate (manche sprachen schon nach 1,2 Wochen von Insolvenz) „überleben“ kann?

§  Situation ist oft von Betreibergesellschaften oder Investoren verursacht, nicht vom Hotelier direkt – das ist wichtig zu erwähnen

§  die Erklärung ist in den meisten Fällen sicherlich, dass durch die aufstrebende wirtschaftliche Situation der letzten Jahre sehr viel investiert wurde

§  diese positive Situation brachte allerdings auch viele Einnahmen mit sich und man könnte sich fragen: ist „über die Verhältnisse“ investiert worden?

 

Welche Investitionen wurden in der Vergangenheit getätigt?

§  sind die Investitionssummen wirklich nachhaltig und sinnvoll eingesetzt worden?

§  es ist erkennbar, dass Unternehmen, die vermehrt in die Bereiche Automatisierung und Digitalisierung investiert haben, vor allem in der aktuellen Situation der wieder anlaufenden Betriebe, besser aufgestellt sind. Die Gäste bleiben z.B. weiterhin betreut, obwohl die Ressource Mitarbeiter nicht in der gleichen Kraft einsetzbar ist, wie zuvor

§  speziell auch im Bereich Human Ressource stellte sich in der Session die Frage: gibt es zu viele Abteilungsleiter? Also zu viele „teure Häuptling“ statt „wirkungsvollere Indianer“?

 

das MICE Business nach der Krise

Vorweggenommen: es gibt leider aktuell noch keinerlei Vorschriften oder Aussagen zu diesem Thema.


„Großveranstaltungen“

§  es ist nach wie vor nicht festgelegt, ab welcher Personenzahl eine Veranstaltung diesem Status gerecht wird

 

Beschränkungen

§  fest steht, es wird Beschränkungen geben

§  z.B. solche, die die Abstände zwischen Tischen in Tagungsräumen regeln

§  dies wird vermutlich zur Folge haben, dass Tagungsräume nicht mehr so stark ausgelastet werden, wie es vor der Krise noch der Fall war

§  der zu erwartende Umsatz pro Quadratmeter, der sich mittlerweile schon fast als Kennzahl für den MICE Bereich (in house) etabliert hat, wird sich verändern
Gleichzeitig gilt es zu klären, in wie weit das Hotel für gewisse Dinge haftbar ist

§  ist das Hotel in der Pflicht, den Abstand der Teilnehmer zueinander während der Pausen zu garantieren?

§  Sicherlich sind Lunchboxen als Kaffeepausen-Verpflegung eine Möglichkeit, die allerdings nicht ausschließt, dass Menschen diese ohne den Mindestabstand zu sich nehmen

 

Neue Formate, neue Investitionen, neue Abläufe

§  Hybride Veranstaltungen bekommen einen neuen Stellenwert im MICE Business

§  Hotels werden – wenn nicht schon geschehen – in Technik, wie Hardware, aber auch Internetbandbreite investieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und einen reibungslosen Ablauf einer Hybriden Tagung zu gewährleisten

§  Frühstückszeiten können im Vorhinein abgeklärt werden und auch hier wird das Frühstück dann nicht mehr als Buffet, sondern a la carte gereicht

 

Vertragswesen

§  spezielle Stornierungsbedingungen für Epidemien / Pandemien werden aufgenommen

§  Haftung wird ein zentraler Punkt in der Vertragsgestaltung

 

 

zentralen Fragen für das klassische MICE Geschäft

 

Zu drei zentralen Fragen haben uns unsere Legal-Rockstars von Spirit Legal direkt Rede und Antwort gestanden – ein riesen Dankeschön an dieser Stelle!

 

Frage aus der Session:

Ausgehend davon, dass Hotels grundsätzlich wieder öffnen dürfen:

ein Hotel hat eine Buchung für mehr als X (X = die vom Gesetzgeber maximal erlaubte Menge an Menschen) Personen, welche nicht durch den Bucher / Veranstalter storniert wird.

Hat das Hotel in diesem Fall eine Pflicht (oder ist gar in der Haftung), den Kunden darüber zu informieren?

Was, wenn der gebuchte Raum nicht der entsprechenden Mindestgröße entspricht?

 

Antwort Spirit Legal:

Es kommt darauf an, wie die Regeln bei den Hotelöffnungen konkret ausgestaltet sind: Bleibt es bei Regeln, die direkt an die Hotels adressiert sind, dürfen von den Hotels Räume nur für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, die die jeweils erlaubte Personenanzahl und die Raummindestgröße und auch andere festgesetzte Hygiene-Standards einhalten. Die Hotels müssen in diesem Fall auf die Veranstalter aktiv zugehen und versuchen, Lösungen zu finden. Anderenfalls dürfen die Hotels zu diesen Zwecken nicht vermieten und müssen die Vermietungen stornieren.

 

Aber auch, wenn den Hotels generell eine Raumvermietung wieder erlaubt ist und sich die Ge- bzw. Verbote direkt an die Veranstalter (Mieter) richten, empfiehlt es sich, auf die Veranstalter zuzugehen. Denn eine Informationspflicht kann sich durchaus aus nebenvertraglichen Pflichten des MICE-Vertrags ergeben. Eine Stornierungspflicht der Hotels besteht dann zwar grundsätzlich nicht, aber es kann auch nur im Sinne der Hotels sein, mit den dann geltenden Vorschriften konforme Veranstaltungen zu beherbergen. 

 

Das ist jedoch keine allgemeingültige Antwort. Es kommt wie gesagt auf die jeweiligen behördlichen oder gesetzgeberischen Regeln für die Hotels an. Ich gehe davon aus, dass es konkrete Vorgaben für die Hotels geben wird, die dann zusammen mit den Mietern umgesetzt werden müssen. Unabhängig davon, was der MICE-Vertrag zu Änderungen sagt: Unsere Erfahrungen mit der Corona-bedingten Aufhebung oder Anpassung von MICE-Verträgen der letzten Wochen haben gezeigt, dass ein frühes und proaktives Zugehen auf den Vertragspartner die besten Ergebnisse für beide Vertragspartner erzielt.

 

Frage aus der Session:

Wenn sich im Hotel ein Gast mit Corona ansteckt: wie weit ist das Hotel verpflichtet, alle eventuell in Kontakt kommenden Menschen zu melden bzw. überhaupt die Kenntnis darüber zu haben, wer davon betroffen sein könnte?


Antwort Spirit Legal:

Auch hier kann ich leider keine allgemeingültige Antwort geben. Es kommt wieder darauf an, unter welchen behördlichen bzw. gesetzlichen Voraussetzungen eine Hotelöffnung überhaupt gestattet ist. Ich halt es für sehr wahrscheinlich, dass die Hotels von den Behörden Auflagen erhalten. Sollte dies doch nicht der Fall, müssen die Hotels aber schon aus vertraglichen Sorgfaltspflichten gegenüber der Gesundheit der Mitarbeiter und Gäste für entsprechende Hygiene-Standards sorgen.

 

Frage aus der Session:

Ist eine Meldepflicht ALLER Hotelgäste (inkl. Restaurant / VA-Gäste) denkbar?

 

Antwort Spirit Legal:

Da es sich beim Gesundheitsschutz um ein sehr wichtiges schützenswertes Gut handelt, erscheint dies möglich – vielleicht sogar auf Dauer. Eine Meldepflicht für alle Restaurant- und Veranstaltungsgäste wäre auch die logische Konsequenz einer etwaigen Verpflichtung für die Hotels, Infektionsketten nachverfolgen zu können.

 

 

Bitte beachtet, dass dies lediglich eine Auflistung der Aussagen / Ideen der Teilnehmer darstellt.
Wir können keine Haftung für die Richtigkeit oder die