Die EmpCo kommt!
Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand
Nachhaltigkeit ist längst ein zentrales Verkaufsargument in der Hotellerie und Gastronomie. Betriebe werben mit klimaneutralen Übernachtungen, umweltfreundlichen Serviceangeboten und Bio-Produkten.
Doch mit der zunehmenden Bedeutung wächst auch das Risiko von Greenwashing. Die EU reagiert darauf mit der Empowering Consumers for the Green Transition Directive (EmpCo).
Die Richtlinie setzt neue Maßstäbe für die Nachhaltigkeitskommunikation. Unklare Aussagen und pauschale Versprechen sind damit künftig passé.
Ziel der EmpCo
Verbrauchende sollen durch mehr Transparenz und klare Regeln vor irreführenden Umweltversprechen geschützt werden. Ziel ist es, Greenwashing zu verhindern und stattdessen nachvollziehbare Informationen über die tatsächlichen Umweltauswirkungen von Produkten und Dienstleistungen bereitzustellen.
Verboten sind pauschale oder ungenaue Aussagen ohne verlässliche Nachweise, etwas "umweltfreundliches Hotel", "Ökostrom" oder "nachhaltige Küche". Auch irreführende Behauptungen zu Klimaneutralität, Kompensationsmaßnahmen oder Nachhaltigkeitssiegeln ohne unabhängige Prüfung sind unzulässig.
Die Regeln gelten dabei für alle Kommunikationskanäle, von der Website über Speisekarten bis zu Flyern und schließen visuelle Elemente ein. Selbst gestaltete Siegel oder symbolische Designelemente, wie etwa eine Weltkugel in den Händen, können als irreführend wahrgenommen werden, wenn sie keinen belegbaren Nachhaltigkeitsbezug haben.
Klimaneutralität unter strengen Bedingungen
Ein besonders sensibler Bereich ist die Werbung mit Klimaneutralität. Besonders relevant ist diese Verschärfung für Hotels, die mit "klimaneutralem Aufenthalt" werben.
Künftig müssen entsprechende Aussagen auf tatsächlichen Emissionsreduktionen beruhen. Reine Kompensation, etwa über CO2-Zertifikate, reicht nicht mehr aus. Gefordert ist ein nachvolllziehbarer Dekarbonisierungsplan, der den gesamten Lebenszyklu eines Produkts oder einer Dienstleistung berücksichtigt.
Auch Social Washing im Fokus
Die Richtlinie beschränkt sich nicht nur auf Umweltaspekte. Auch irreführende Aussagen zu sozialen oder ethischen Standards, sogenanntes "Social Washing", sind verboten. Dazu zählen etwas falsche Angaben zu fairen Arbeitsbedingungen, nicht belegbare Aussagen zur regionalen Beschaffung oder übertriebene Darstellungen des sozialen Engagements eines Unternehmens.
Neue Anforderungen an Nachhaltigkeitssiegel
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft Labels und Zertifizierungen. Siegel müssen auf anerkannten, transparenten Zertifizierungssystemen basieren und von einer staatlichen Stelle oder einer unabhängigen Drittpartei geprüft werden. Für Hoteliers empfiehlt es sich zudem, sich die EmpCo-Konformität der Siegelanbieter bestätigen zu lassen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.
Rechtliche Umsetzung und Geltungsbereich
Im Dezember 2025 verabschiedete der Bundestag die Anpassungen des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) mit einer Erweiterung der "Schwarzen Liste" (Anhang zu § 3 abs. 3 UWG) um zusätzliche Umweltaussagen und Nachhaltigkeitsverbote. Die neuen Vorgaben treten ab dem 27. September 2026 verbindlich in Kraft.
Sanktionen und Risiken bei Verstößen
Verstöße gegen die Richtlinie können erhebliche Konsequenzen haben, darunter Bußgelder, Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherschutzorganisationen, Unterlassungsklagen sowie ein deutlicher Verlust von Reputation und Vertrauen.
Greenhushing ist keine Lösung
Wer aus Sorge etwas falsch zu machen, lieber ganz auf Nachhaltigkeitskommunikation verzichten möchte, sollte nicht verzweifeln. Wichtig ist eine Kommunikation, die die eigene Transformation begleitet. Entscheidend ist, weiterhin über Nachhaltigkeit zu sprechen, aber korrekt, transparent und belegbar.
Vielmehr sollten Hotels und Gastronomiebetriebe jetzt aktiv werden, ihre Kommunikation prüfen, Nachweise (Produktdaten, Zertifikate und interne Nachweise) sichern und dokumentieren, und Prozesse für transparente Nachhaltigkeitsinformationen etablieren.
Mitarbeitende, insbesondere aus Marketing und Vertrieb, sollten geschult werden und alle Zertifizierungen sollten auf Seriosität und EmpCo-Konformität geprüft werden.
Glaubwürdigkeit als Wettbewerbsvorteil
Die EmpCo-Richtlinie markiert einen Wendepunkt in der Nachhaltigkeitskommunikation. Nachhaltigkeit ist nicht länger nur ein Marketingversprechen, sondern wird zur Nachweispflicht, bietet gleichzeitig aber auch die Chance, durch transparente und belegbare Nachhaltigkeitskommunikation Vertrauen zu gewinnen, sich vom Wettbewerb abzuheben und langfristig Gäste zu binden.
Disclaimer
Die HSMA Deutschland e.V. übernimmt keine Gewähr für die Akutalität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Für rechtliche Fragen wird empfohlen, eine qualifizierte Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen.
Die EmpCo kommt!
- 12.07.2026