Klimafolgenanpassung in der Hotellerie


Klimarisiken verstehen: Warum die individuelle Risikoanalyse entscheidend wird
Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen die Hotellerie und das Gastgewerbe nicht mehr abstrakt oder langfristig, sondern sie wirken sich bereits heute direkt auf Betriebskosten, Infrastruktur, Gästeerlebnis und Investitionssicherheit aus.

Während steigende Temperaturen oder Hitzewellen nahezu alle Betriebe betreffen, unterscheiden sich viele Klimarisiken stark je nach Standort und betrieblicher Struktur. Ob ein Hotel an einem hochwassergefährdeten Fluss liegt, sich in einer waldbrandgefährdeten Region befindet oder unter zunehmender Wasserknappheit leidet, entscheidet maßgeblich über die tatsächliche Risikolage.

Genau deshalb sollte die individuelle Klimarisikoanalyse zunehmend zum strategischen Managementinstrument werden.

Von allgemeinen Klimarisiken zur betrieblichen Anpassung
Die zentrale Frage lautet nicht mehr, gibt es Klimarisiken? Sondern vielmehr, wie stark ist mein eigener Betrieb konkret betroffen?
Dabei spielen drei Faktoren eine entscheidende Rolle:
* die räumliche Exposition des Standorts,
* die betriebliche Anfälligkeit,
* sowie die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens.
Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren zeigt, wie resilient ein Hotel tatsächlich aufgestellt ist.

Räumliche Exposition: Wo liegt das tatsächliche Risiko?
Die indirekten Folgen des Klimawandels sind hochgradig standortabhängig. Bereits heute sehen sich viele Betriebe mit konkreten Fragestellungen konfrontiert:
* Besteht ein erhöhtes Risiko für Starkregen oder Überschwemmungen?
* Ist die Umgebung durch Waldbrandgefahr betroffen?
* Treten häufiger Dürreperioden oder Wassernutzungsbeschränkungen auf?
* Liegt das Hotel in Regionen mit zunehmendem Niedrigwasser oder sinkender Wasserqualität?
* Gibt es versiegelte Flächen, die bei Starkregen problematisch werden können?
Diese Risiken wirken sich unmittelbar auf den Hotelbetrieb aus – von Infrastruktur- und Versicherungskosten bis hin zu Gästesicherheit und Aufenthaltsqualität.

Professionelle Klimarisikoanalysen basieren auf lokalen Klima- und Geodaten sowie behördlichen Informationen. Eine fehlende Transparenz über potenzielle Gefährdungen wird dabei selbst zum Risiko.

Betriebliche Anfälligkeit: Wie widerstandsfähig ist der eigene Betrieb?
Neben dem Standort entscheidet vor allem die betriebliche Struktur darüber, wie stark Klimafolgen tatsächlich wirken.
Ein Hotel mit hohem Wasserverbrauch, großen versiegelten Außenflächen und fehlender Verschattung reagiert deutlich empfindlicher auf Hitze, Dürre oder Starkregen als ein Betrieb, welcher unter anderen (natürlichen) Bedingungen agiert oder bereits präventive Maßnahmen umgesetzt hat.

Zu den zentralen Fragen gehören dabei unter anderem:
* Gibt es ausreichend schattenspendende Außenbereiche?
* Wie hoch ist der Wasserverbrauch?
* Bestehen Abhängigkeiten durch Pools, Spa- oder Wellnessbereiche?
* Sind Außenanlagen hitze- und wetterresilient gestaltet?
* Existieren Rückhaltemöglichkeiten für Starkregen?
* Gibt es brandgefährdete Vegetation im direkten Umfeld?
Gerade diese operative Perspektive wird in der Praxis häufig unterschätzt. Denn Klimaanpassung beginnt nicht erst bei Großinvestitionen, sondern oft bei der intelligenten Gestaltung bestehender Prozesse und Infrastruktur.

Anpassungsfähigkeit als Wettbewerbsfaktor
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die organisatorische Anpassungsfähigkeit des Unternehmens.
Betriebe, die bereits Erfahrung im Umgang mit Extremwetterlagen haben, intern klimarelevantes Wissen aufgebaut haben und regional gut vernetzt sind, können schneller und professioneller reagieren.

Resiliente Hotels zeichnen sich zunehmend durch folgende Faktoren aus:
* vorhandene Krisen- und Notfallpläne,
* geschulte Mitarbeitende,
* funktionierende Kommunikationsprozesse,
* digitale Monitoring-Systeme,
* sowie ausreichende finanzielle und organisatorische Ressourcen.

Maßnahmen gezielt priorisieren statt isoliert reagieren
Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht nur in der Analyse, sondern in der strategischen Ableitung wirksamer Maßnahmen. Denn nicht jede Investition hat automatisch die gleiche Relevanz oder Wirkung. Entscheidend ist die Verbindung von Risiko, Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit. Die Bandbreite der Maßnahmen ist daher groß. Nachfolgend ein paar wirksame Beispiele:

Maßnahmen gegen Hitze und steigende Temparaturen
Steigende Temperaturen erfordern zunehmend Investitionen in:
* außenliegenden Sonnenschutz,
* Begrünung und Verschattung,
* energieeffiziente Kühlsysteme,
* intelligente Gebäudeautomation,
* sowie passive Kühlungskonzepte.
Diese Maßnahmen verbessern nicht nur den Gästekomfort, sondern reduzieren gleichzeitig Lastspitzen und Energiekosten.

Maßnahmen gegen Starkregen und Extremwetter
Zur Absicherung gegen Extremwetter gewinnen folgende Maßnahmen an Bedeutung:
* Rückhalteflächen und Entsiegelung im Außenbereich
* technische Hochwasserschutzsysteme,
* Schutz kritischer Infrastruktur,
* Notfall- und Evakuierungspläne,
* sowie regelmäßige Risiko- und Szenarioanalysen
Besonders relevant wird dabei die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und regionalen Netzwerken.

Maßnahmen gegen Wasserknappheit
Die Ressource Wasser entwickelt sich vielerorts zu einem strategischen Faktor. Entsprechend wichtig werden:
* wassersparende Technologien,
* Regenwassernutzung,
* optimierte Bewässerungssysteme,
* Verbrauchsmonitoring
Dies kann künftig direkte Auswirkungen auf Betriebskosten und Angebotsgestaltung haben.

Maßnahmen zur Angebotsgestaltung
Klimaanpassung betrifft nicht nur Technik, sondern auch das Geschäftsmodell.

Saisonverlängerung
Steigende Temperaturen im Frühjahr und Herbst ermöglichen eine Ausweitung der Saison und eine bessere Auslastungsverteilung.

Mögliche Ansätze: 
erweiterte Öffnungszeiten
* wetterunabhängige Innenangebote
* Kooperationen mit regionalen Partnern
* gezielte Vor- und Nachsaison-Pakete
* neue Zielgruppenansprache

Organisation und Kommunikation stärken
Gästeinformation
Klare Kommunikation erhöht Sicherheit und Akzeptanz. Dazu gehören:
* Verhaltensempfehlungen bei Hitze
* Hinweise zum Wassersparen
* klare Regeln bei Extremwetter
* Information zu Gesundheitsrisiken (z. B. Zecken, Mücken)
* aktuelle Hinweise zur Badegewässerqualität
Digitale Gästemappen oder QR-Codes erleichtern die Informationsbereitstellung. 

Mitarbeitende qualifizieren
Mitarbeitende sind selbst betroffen und zugleich zentrale Akteure im Krisenfall. Wichtig sind hierbei:
* Schulungen zu Hitze-, Brand- und Extremwetterszenarien
* angepasste Arbeitsbedingungen und Trinkwasserversorgung
* Erste-Hilfe-Kenntnisse
* Brandschutzunterweisungen
* klare Notfall- und Evakuierungsabläufe
* Gut vorbereitete Teams stärken die Resilienz des gesamten Betriebes.

Klimaanpassung als Managementprozess
Klimaanpassung ist damit kein einzelnes Nachhaltigkeitsprojekt, sondern ein kontinuierlicher Managementprozess. Erfolgreiche Betriebe analysieren Risiken systematisch, priorisieren Maßnahmen wirtschaftlich und integrieren Resilienz in ihre langfristige Unternehmensstrategie.

Die TMB Tourismus-Marketing Brandenburg hat in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie und Handelskammern des Landes Brandenburg ein Klimagutachten in Auftrag gegeben. Entstanden sind ein Wissenspapier, das die wichtigsten Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus in Brandenburg zusammenfasst, sowie insgesamt 8 Leitfäden, unter anderem für “Beherbergung & Gastronomie”. In diesem sind die wichtigsten Auswirkungen des Klimawandels auf die Branche, ein nützlicher Selbst-Check sowie praktische Maßnahmen aufgezeigt. Dieser ist zu finden im Tourismusnetzwerk Brandenburg. Klimaanpassung | Tourismusnetzwerk Brandenburg

Copyright: TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH – Illustration: gafinen.com

Gastautorinnen:
Anja Noffz & Nina Bloß

Klimafolgenanpassung in der Hotellerie
  • 29.07.2026

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