Verbändeschreiben zur Arbeitszeitflexibilisierung
WOCHENARBEITSZEIT JETZT!
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Vizekanzler,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Reiche,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Bas,
gemeinsam wollen wir Deutschland zu mehr wirtschaftlicher Dynamik, weniger Bürokratie und echter Zukunftsfähigkeit verhelfen. Genau deshalb wenden wir uns in diesem gemeinsamen Bündnis an Sie.
Als Vertreterinnen und Vertreter der Tourismus-, Geschäftsreise-, Messe-, Kultur-, Freizeit- und Veranstaltungswirtschaft, des kooperierenden Mittelstands und des Gastgewerbes begrüßen wir es ausdrücklich, dass es Ihnen als Koalitionären gelungen ist, einen echten Kompromiss in Sachen Wochenarbeitszeit im Koalitionsvertrag zu verankern.
Dieses Vorhaben des Koalitionsvertrages unterstützen wir als breites Verbändebündnis. Gemeinsam vertreten wir hunderttausende Betriebe und Millionen Beschäftigte in Deutschland und setzen uns für eine Modernisierung des Arbeitszeitrechts durch die Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit ein.
Die geltenden Regelungen stammen aus einer Zeit, in der Arbeitsabläufe deutlich weniger flexibel waren als heute. Sie werden den Anforderungen vieler Beschäftigter
und moderner Betriebe nicht mehr gerecht. Dabei geht es ausdrücklich nicht um längere Arbeitszeiten, sondern um neue Flexibilität und Gestaltungsspielräume, um ungenutzte Wachstumspotenziale zu heben und zugleich fairen Ausgleich für Betriebe und Beschäftigte zu schaffen.
Was uns wichtig ist: Die europäische Arbeitszeitrichtlinie bei Ruhezeiten, Arbeitsschutz und maximaler Wochenarbeitszeit wird vollständig umgesetzt. Diese Umstellung schafft die Möglichkeit, Arbeitszeit innerhalb einer Woche flexibler und praxisgerechter zu verteilen. Davon profitieren Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen.
Gerade in unserer dienstleistungsgeprägten Branche mit schwankender Nachfrage, saisonalen Spitzen, Veranstaltungen oder projektbezogenen Arbeitsabläufen stößt die tägliche Höchstarbeitszeit immer wieder an ihre Grenzen. Die Folge sind unnötige bürokratische Hürden, organisatorische Probleme und Einschränkungen für Beschäftigte, die sich häufig selbst mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit wünschen, um etwa arbeitsintensive Phasen unkompliziert ausgleichen zu können.
Deutschland hat das Potenzial, gemeinsam mit Politik und Wirtschaft gegen die hohen Kosten, den Fachkräftemangel, die zunehmende Bürokratie und eine anhaltend schwache Konjunktur anzuarbeiten.
Eine Modernisierung des Arbeitszeitrechts ist für unsere über 250.000 Betriebe und über 2,7 Millionen Direktbeschäftigten kein Randthema, sondern ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Sie verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, erleichtert die Vereinbarkeit von betrieblichen Anforderungen und individuellen Lebensrealitäten und schafft neue Flexibilität für unsere Beschäftigten.
Egal, ob die außenpolitische Krise im Reisebüro oder bei Reiseveranstaltern, die Hochzeitsfeier im Landgasthof, die Weltleitmessen, auf denen der deutsche Mittelstand vor seiner Haustür globale Märkte erschließt, oder Veranstaltungen, die unseren Innenstädten und Regionen kulturelles Leben ermöglichen: All diese Branchen setzen auf Ihr Zeichen einer zeitnahen Umsetzung in Sachen Wochenarbeitszeit. Viele Betriebe und Beschäftigte verbinden damit die Erwartung, dass notwendige Modernisierungen nun tatsächlich auf den Weg gebracht werden.
Wir bitten Sie daher, sich im parlamentarischen Verfahren für eine zügige und praxisnahe Einführung der Wochenarbeitszeit einzusetzen und die Modernisierung des Arbeitszeitrechts aktiv zu unterstützen.
Selbstverständlich stehen wir Ihnen in diesem Bündnis jederzeit auch für persönliche Gespräche oder in Koordination über den Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
die unterzeichnenden Verbände der Tourismus-, Geschäftsreise-, Messe-, Kultur-, Freizeit- und Veranstaltungswirtschaft, des kooperierenden Mittelstands und des Gastgewerbes.
Anke Budde, Präsidentin, asr Allianz selbständiger Reiseunternehmen
Jörn Holtmeier, Geschäftsführer, AUMA, Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V.
Johannes Everke, Geschäftsführer, Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) e.V.
Aurélie Bergen, Geschäftsführerin, Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe e.V. (BDT im DEHOGA Bundesverband)
Prof. Dr. Frank Schaal, Geschäftsführer, Bundesverband der Campingwirtschaft in, Deutschland e.V. (BVCD)
Tobias Reinsch, Generalsekretär, Bundesverband der Deutschen Incoming-Unternehmen
Ariane Finzel, Geschäftsführerin, Deutscher Caravaning Handels-Verband
Achim Wehrmann, Hauptgeschäftsführer, DRV Deutscher Reiseverband
René Tumler, Geschäftsführer, EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungscentren e.V.
Anna Heuer, Verbandsgeschäftsführerin, HSMA Deutschland e.V.
Jens Schließmann, Hauptgeschäftsführer, Verband Deutsches Reisemanagement (VDR)
Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM)
Sven Liebert, Generalsekretär, Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW)
Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin, Deutscher Hotellerie- und Gastronomieverband e.V. (DEHOGA Bundesverband)
Norbert Kunz, Geschäftsführer, Deutscher Tourismusverband (DTV)
Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer, Hotelverband Deutschland (IHA)
Christian Ordon, Geschäftsführer, LiveMusikKommission e.V. (LiveKomm)
Verbändeschreiben zur Arbeitszeitflexibilisierung
- 16.06.2026